Migräne verbessern und eindämmen mit Keto-Carnivore
Gedanken von Peter Mersch aus seinem Buch “Migräne ist heilbar” [1]
Die Schulmedizin betrachtet Migräne als neurologische Erkrankung: genetisch bedingt, Ausdruck einer Reizverarbeitungsstörung, ohne erkennbare Ursache und bislang nicht heilbar. Peter Mersch stellt dieser Sichtweise ein alternatives Modell entgegen: Er versteht die Migräneattacke als eine Energiekrise des Gehirns, die vor allem durch abnorme Blutzuckerschwankungen, allergische Reaktionen oder hormonelle Veränderungen ausgelöst wird. Eine Carnivore oder ketogene Ernährung liefert mit Ketonkörpern dem Gehirn kontinuierlich Energie unabhängig von Insulinausschüttungen. Ein stabilerer Blutzuckerspiegel mit geringeren Schwankungen verhindert eine Migräneattacke durch einen starken Blutzuckerabfall.
Typische Trigger sind ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig oder zu viel Schlaf, bestimmte Nahrungsmittel, Entspannung nach Sport oder Stress, Wetterwechsel, Umwelteinflüsse wie Rauch, Licht und Lärm sowie hormonelle Ereignisse wie Menstruation oder Eisprung. Wichtig ist Mersch dabei die Unterscheidung zwischen Auslösern und Ursache: Trigger lösen eine Attacke lediglich aus, sie sind nicht deren eigentliche Wurzel. Durch die Carnivore Ernährung nimmt man weniger Lebensmittel zu sich, auf die man allergisch reagiert. Das verringert die Zahl der Trigger.
Energiestoffwechsel des Gehirns
Das Gehirn bevorzugt normalerweise Glucose als Energiequelle, wenn es keine Ketonkörper zur Verfügung hat. Während einer Migräneattacke lässt sich ein Anstieg von Fettsäuren und Ketonkörpern im Blut beobachten – für Mersch ein Hinweis auf eine tatsächliche Energiekrise. Die Verwertung der Ketonkörper ist allerdings nur mit Hilfe des Enzyms Beta-Ketoacyl-CoA-Transferase möglich, und der Körper braucht eine gewisse Zeit, um diese Enzyme bereitzustellen. Deshalb sollte man bei Migräne auch einen langsamen Übergang zur Ketose anstreben. Zunächst auf 0,5, dann auf 1,0 und schließlich bis über 2,0 oder 2,5 mmol/l. Ein zu schneller Wechsel in eine tiefe Ketose kann auch eine Energiekrise im Gehirn nach sich ziehen. Bei hinreichender Adaption sind Migräneanfälle dagegen wesentlich seltener und unwahrscheinlicher.
Warum Entspannung zu Migräneattacken führt
Dieses Modell erklärt für Mersch auch, warum Attacken gerade in Entspannungsphasen auftreten: Sinkt nach Stress oder Sport die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol, sinkt auch der Blutzuckerspiegel – und dem Gehirn fehlt kurzfristig Energie. Ähnlich verhält es sich während der Menstruation: Sinkende Progesteronspiegel bedeuten, dass weniger Progesteron in Cortisol umgewandelt werden kann, was wiederum den Glucosespiegel senkt. Die eigentlichen Schmerzen entstehen dann durch die Weitung der Blutgefäße. Es geht also darum, möglichst einen stressfreien Lebenswandel zu führen. Eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen durch Fleisch, wie bei Carnivore, ermöglicht aber auch eine bessere Resilienz. Höhere Eisenspiegel ermöglichen mehr Lebensenergie und Antrieb für Aufgaben, die bevorstehen.
Hormone, Stress und Serotonin
Migränepatienten weisen erhöhte Cortisolspiegel und eine verringerte Insulinsensitivität auf. Hohe Stressbelastung erhöht den Cortisolspiegel und verstärkt die Gluconeogenese – die Neubildung von Glucose aus Eiweiß. Da für ein Gramm Glucose etwa 1,8 Gramm Eiweiß und damit rund 9 Gramm Muskelmasse benötigt werden, führt dauerhaft hohes Cortisol zu dünner Haut, Dehnungsstreifen und verstärkter Fettablagerung, besonders im Nacken- und Bauchbereich. Zudem entstehen aus Cortisol Substanzen, die männlichen Geschlechtshormonen ähneln – mit Folgen wie vermehrter Körperbehaarung, Haarausfall am Kopf und Akne. Insgesamt sind es für Mersch vor allem Veränderungen der Hormon- und Blutzuckerspiegel, die Migräneattacken auslösen. Auch beim Progesteron zeigt sich dieser Mechanismus: Unter Stress wird es weniger zu Östrogen und mehr zu Cortisol umgewandelt, wodurch der Östrogenspiegel sinkt. Frauen mit Hormonersatztherapie neigen zudem eher zu einer Insulinresistenz. Zu Phasen, wo der Östrogenspiegel höher ist, also vor der Menstruation, sollte vermehrt Stress vermieden werden. Denn wenn beide Hormone hoch sind, Östrogen und Cortisol, begünstigt das auch wiederum einen Migräneanfall.
Eine zentrale Rolle spielt außerdem Serotonin, das die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann – weshalb zwischen dem Serotonin im Gehirn und dem im Blut gemessenen Serotonin unterschieden werden muss. Serotonin wirkt gefäßverengend und appetithemmend: Ein hoher Serotoninspiegel im Gehirn senkt den Appetit. So erklärt sich auch, warum SSRI-Antidepressiva, die Serotonin erhöhen, häufig zu Gewichtsabnahme führen, während Serotonin-Antagonisten wie Pizotifen – die in der Migränetherapie eingesetzt werden – eher zu Gewichtszunahme führen. Der Fettabbau (Lipolyse) erhöht den Transport von Tryptophan ins Gehirn, da es normalerweise an Albumin gebunden ist und bei der Lipolyse freigesetzt wird. Da Migräniker offenbar zu viel Serotonin produzieren, wirken bei ihnen Serotonin-Antagonisten oft besser als SSRIs. Aus Serotonin entsteht nachts oder bei Lichtmangel das Hormon Melatonin – im Frühjahr, wenn es länger hell ist, steigt der Serotoninspiegel, was erklären könnte, warum Migräniker im Frühjahr verstärkt unter Attacken leiden; dies wurde auch in einer Studie unter arktischen Bedingungen bestätigt. Die nächtliche Gabe von 3 mg Melatonin zeigte in Studien eine Verbesserung der Migränesymptomatik. Auch die Antibabypille kann Migräne auslösen oder verstärken.
Sport und Bewegung
Leichter Ausdauersport wirkt sich positiv auf die Migräne aus. Er verbessert die Adrenalinreaktion des Körpers, indem er den Parasympathikus stärkt, das Gefäßsystem trainiert, die Fließeigenschaften des Blutes verbessert, die Sauerstoffversorgung erhöht, die Hormondrüsen kräftigt und die Insulinwirkung optimiert.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Mersch beschreibt mehrere Substanzen in der Nahrung, die Migräneattacken begünstigen können. Tyramin findet sich etwa in Wein, Sauerkraut, Käse, Leber und Avocados. Histamin steckt in alkoholischen Getränken, besonders Hartkäse wie Parmesan, Schokolade, Rohwurst wie Salami, Nüssen (vor allem Walnüssen), Tomaten und Tomatenketchup, Sauerkraut, Spinat, Fischzubereitungen, sehr reifem Obst, Erdbeeren, Himbeeren und Rotweinessig – wobei der Histamingehalt stark schwanken kann. Bei der Carnivoren Ernährung sollte somit auf lang gelagertes Fleisch, wie Dry-Aged-Meat oder auch lange gekochtes und geschmortes Fleisch oder Knochenbrühe geachtet werden. Manche Medikamente hemmen das Enzym Diaminooxidase DAO, das Histamin abbaut (etwa Acetylcystein, Ambroxol, Chloroquin, Metamizol), während andere wie Aspirin, Diclofenac und Naproxen die Histaminausleitung steigern können. Die Bildung des Enzyms DAO wird aber auch durch die Mineralien Zink und Kupfer [2] gefördert. Insbesondere Leber enthält beide Mineralien in großen Mengen.
Auch Polyphenole aus Rotwein und Schokolade können Attacken auslösen. Glutamat scheint vor allem in Form künstlicher Zusätze problematisch zu sein und dürfte die Erregung des Gehirns steigern. Interessanterweise steigt der Glutamatspiegel im Blut, wenn weniger Kohlenhydrate gegessen werden – wer sich in Ketose befindet, sollte deshalb möglicherweise besonders auf glutamathaltige Lebensmittel achten. In Tierversuchen entwickelten mit Glutamat behandelte Ratten eine Insulinresistenz und Glucoseintoleranz – Anzeichen, die auch bei Migränikern zu finden sind. Glutamat kann zudem bei einer salzigen Mahlzeit die Insulinausschüttung verdreifachen, und auch Aspartam kann Migräneanfälle auslösen. Glutamatreiche Carnivore Lebensmittel sind lang gereifter Käse oder auch Salami und Knochenbrühe [3]. Alkaloide wie Koffein oder das in Schokolade enthaltene Theobromin wirken temporär anregend und gefäßerweiternd, wobei auf Dauer ein gewisses Suchtpotenzial nicht auszuschließen ist. Gluten zeigt in der Regel keine kurzfristigen, sondern eher langfristige Effekte; Vollkornprodukte werden dabei oft schlechter vertragen als Weißmehl, vermutlich wegen enthaltener Antinährstoffe wie Lektine, Phytine und Enzyminhibitoren.
Elektrolyte und Darmflora
Auch der Elektrolythaushalt spielt eine Rolle: Magnesiumgaben können Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken verringern, während Milchprodukte wegen ihres hohen Kalziumgehalts eher gemieden werden sollten. Magnesiumthreonat soll auf das Gehirn beruhigend wirken. Schließlich thematisiert Mersch den Einfluss von Mikroorganismen im Darm als mögliche Giftquelle. Sterben Bakterien und Pilze ab, werden Giftstoffe frei (Herxheimer-Reaktion), was zunächst zu einer Erstverschlimmerung der Beschwerden führen kann. Bakterien und Pilze im Darm ernähren sich von Zucker und wandeln diesen in Säuren um.
[1] Mersch, Peter 2006: Migräne - Heilung ist möglich
[2] Kauffmann, Kyra und Sascha 2021: Histaminirrtum, S. 131f und S. 32
[3] Daniel, Kaayla und Fallon Morell, Sally 2015: Die Super-Suppe, S. 52




