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Buchtipp! Nie wieder Fressattacken!

Der Titel ist hier Programm! Nie wieder… Es geht nämlich um die Einsicht, dass man es bei einer Essstörung eigentlich mit einer Sucht zu tun hat. Und nichts anderem. Alle gängigen Therapien zur Bekämpfung von Essstörungen beruhen auf einem Erlernen von moderatem Essen. Das ist aber mit Kohlenhydraten nicht möglich. Wer sich immer wieder dabei erwischt, unkontrolliert größere Mengen zu essen, als vorgenommen, der hat bereits eine Sucht, die sich auch nicht von einer Alkohol- oder Zigarettensucht unterscheidet.

Glenn Livingston rät dazu, sich einen persönlichen, auf sich selbst zugeschnittenen Essensplan zu erstellen. Und außerhalb dieses Essensplans sollte man auch keinen Bissen zu sich nehmen. In unserem Innern soll man sich ein Schwein vorstellen, welches immer mit uns kommunizieren möchte und uns zu immer mehr ungeplantem Essen verlocken möchte. Je mehr wir dem Schwein zu essen geben, desto größer fühlt es sich. Wenn wir ihm dagegen keine Chance geben, dann wird es mit der Zeit immer kleiner und leiser. Und man sollte immer daran denken, dass unsere Gesellschaft immer auf der Seite des Schweins steht. Wir müssen uns also auch ganz vehement gegen die Stimmen der anderen stellen. „Sei kein Spielverderber…“ und „Iss doch zumindest ein Plätzchen…“. Das ist immer das Schwein, welches über die Anderen zu uns spricht. Niemand sollte uns von unserem Plan abbringen.

Es ist auch wichtig, dass wir uns unseren Essensplan selbst erstellen. Denn wenn wir den Plan von jemand anderem übernehmen, wird uns das Schwein in uns im nächsten unsicheren Moment sagen: „Der Plan war doch eh von der oder von dem, und wir wussten doch, dass die Umsetzung nicht wirklich durchzuführen ist…“ Komm friss weiter, alles zum Scheitern verurteilt.

Nach einem Faux-Pas spricht das Schwein auch ganz oft folgendermaßen zu uns: „Jetzt ist es doch eh schon egal. Friss weiter…“ Diese Logik ist total verrückt. Im Grunde ist es so als würde man sich nach einem ausgeschlagenen Zahn sagen: „Jetzt ist es eh egal. Jetzt schlage ich mir gleich alle weiteren Zähne mit aus!“ Spätestens jetzt müsste einem, der in dieser Situation schon einmal war, klar werden, dass es sich um eine Sucht handelt. Denn so kann einen nur ein unvernünftiges Suchtverhalten leiten!

Auch der Spruch: „Ab morgen wird alles anders. Ab morgen werde ich stark sein.“ Wer kennt den nicht. Auch der bedeutet im Grunde nur, dass man jetzt dem Schwein nachgibt. Und über das Morgen ist eigentlich immer noch gar nichts entschieden.

Im Interview mit Bitten Jonsson auf dem MD Low Carb Podcast wurde über die Zucker- und Kohlenhydratsucht intensiv geredet. Frau Jonsson sagt, dass ein Zuckersüchtiger wie ein Alkoholiker wirklich sagen muss: „Nie wieder!“ Auch der Konsum von Alkohol, Kaffee oder Nikotin sind nur Ersatzdrogen, die einem das Leben schwer machen, wenn man die Zuckersucht besiegen möchte. Auch die Keto-Treats, die einem den süßen Geschmack substituieren, sind keine Hilfe, sondern ein Hindernis gegen die Sucht. Alles was so aussieht oder riecht oder schmeckt wie Zucker, lässt dem gestörten Hirn keine Ruhe von der Sucht. Und wenn man eine Zeit lang ohne Fressattacken ausgekommen ist, dann ist man immer noch nicht geheilt. Ein Süchtiger ist im Grunde nie ganz geheilt. Er ist immer nur in der Remission. Die Sucht wird einen ein Leben lang begleiten. Aber man kann sein Schwein eben sehr viel kleiner machen und sollte immer in Vorsicht leben.

Wie Amy Berger ganz richtig sagt, kann man auch auf Fleisch bingen. Es gibt unter den Carnivoren auch einige, die die erste Zeit das Gefühl haben, von der Sucht befreit zu sein. Aber ab und an erwischen sie sich dann doch dabei, auf Fleisch Fressattacken zu entwickeln. In der Ketose ist es auf alle Fälle immer wesentlich leichter, weshalb ein hoher Fettanteil von Vorteil ist. Die gute Prämisse der Carnivoren „Iss, wenn du hungrig bist, und nur solange bis du satt bist.“ funktioniert aber bei jemandem mit Esssüchten nicht. Es ist deshalb ratsam sich im Vorhinein seine Mahlzeiten zu portionieren, um nicht zu überessen.

 

Dr. Cywes gibt auch ganz viele Ratschläge, wie man dieses Verlangen nach Dopaminausschüttungen umgehen kann. Durch Ersatzhandlungen, die Entspannung bringen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Isa (Dienstag, 08 Dezember 2020 18:27)

    Ein toller Beitrag! Ich danke Dir, es ist wieder ein neues Puzzlestück auf meinem Weg.