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Mutterkuhhaltung

 

Vor einigen Wochen hatte ich das Glück, eine Führung über einen Bio-Weidehof mit Mutterkuhhaltung ganz in unserer Umgebung zu erhalten.

 

Mutterkuhhaltung heißt, dass die Kälber über 9 bis 18 Monate bei ihrer Mutter bleiben und von ihr gesäugt werden. Es ist somit für die Tiere eine wesentlich natürlichere Form der Haltung als bei einem Milchwirtschaftsbetrieb, bei dem die Tiere früh von der Mutter getrennt werden. Immer mehr Betriebe in Bayern gehen zu dieser Form der Rinderhaltung über, da die Milchwirtschaft nicht mehr rentabel ist. Die eigenen Fleckviehkühe haben sie mit den Rassen Angus und Limousin besamen lassen.

 

Mit diesen Kreuzungen sind sie sehr zufrieden, weil sie sich sehr robuster Gesundheit erfreuen. Dagegen sind zum Beispiel die Holsteiner, die schwarz-weiße Rasse, als Hochleistungsmilchkühe sehr anfällig für Krankheiten.

 

Die männlichen Kälber behält der Betrieb als Ochsen und trennt alle erwachsenen Ochsen von den Mütterkühen und Kälbern. Somit haben sie zwei getrennte Weiden und Ställe. Die Tiere können nach Belieben rein und raus und wie wir beobachten konnten, haben sie sich gerne an die Massagerollen geschmiegt. Sehr amüsant war das zu sehen.

 

Auf den Weiden um den Hof werden getrennte Bereiche abgesteckt, so dass die Rinder im Rotationsrhythmus alle drei bis vier Wochen neue Flächen zum Grasen erhalten. Auf ihren anderen Weiden, die sich weiter entfernt vom Hof befinden, wird das Heu für den Winter gesammelt. Um das Futter besonders vitaminreich und abwechslungsreich zu gestalten, haben sie bestimmte Gras- und Kräuter- und Kleesorten mit angesät. Die Rinder bekommen das ganze Jahr über nichts als frisches Gras oder Heu. Der Landwirt erklärt, dass alles andere Futter für die Kuh nicht artgerecht ist. Wer seine Viecher mit Getreide, Mais oder gar Soja füttert, der zerstört ihren Pansen. Der Pansen ist alleine auf die Verdauung von Gräsern und Kräutern ausgelegt. Auch in kargen Jahren kommt der Hof mit seiner eigenen Weidefläche zurecht, denn ihr Viehbesatz ist mit 1,6 Großvieheinheiten pro Hektar sehr großzügig. Das beugt auch der Überdüngungsproblematik vor, der Fleischproduzenten im intensiven Anbau beim Zukauf von Futter ausgesetzt sind.

 

Den Traum, außerdem Wollschweine im Freilandgehege großzuziehen, hat der Landwirt aufgrund der starken Auflagen aufgegeben. Dazu bräuchte man einen doppelten Zaun, um jeglichen Kontakt mit Wildschweinen, die die Schweinepest übertragen könnten, zu verhindern. Dazu kommt noch ein Stall mit hohen hygienischen Vorschriften. „Ein Schwein, das im Dreck suhlen darf, was Schweine eigentlich von ihrer Natur her am liebsten tun würden, gibt es heute leider nicht mehr“, kommentierte der Landwirt die Situation der Schweinehaltung heutzutage.

 

Das Fleisch der Weiderinder ist aufgrund des langsamen Wachstums und der reinen Weidehaltung wesentlich marmorierter als das durch die schnelle Aufzucht mit Kraftfutter der Fall wäre.

Für mich als Carnivore also gerade recht!