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Dopamin

Süchte – Dopamin in der Übermacht

Es ist ein Jammer, dass wir unseren Kindern zur Belohnung Süßigkeiten geben. Was damit beginnt, ist eine lebenslanger Prozess, bei dem sich eine Sucht im Hirn immer stärker entwickelt. Bei jeder süßen oder stark kohlenhydratreichen Mahlzeit wird nämlich wesentlich mehr Dopamin ausgeschüttet als bei einer eiweißreichen Mahlzeit. Das Hirn gewöhnt sich an die hohen Dosen und dementsprechend ergibt sich ein „neues Normal“, „new normal“, wie die Autorin des Buches „Food Junkies“, Dr. Vera Tarman, es bezeichnet. Im Grunde ist es derselbe Prozess, der auch bei anderen Suchtmitteln wie Nikotin, Alkohol oder Kokain stattfindet, nur eben sehr viel langsamer. Aber dadurch, dass es in unserer Gesellschaft als vollkommen legitim angesehen wird und es bei allen Feiern oder Belohnungen eingesetzt wird, verstärkt sich diese Sucht Stück für Stück. Wenn man dann erst als Teenager oder Erwachsener wirklich feststellt, dass es einem schwer fällt darauf zu verzichten, ist es längst zu spät. Die Dopaminrezeptoren sind bereits abgestumpft. Andere freudige Dinge im Leben wie Bewegung, soziale Kontakte oder auch im Erwachsenenleben Sex schütten längst nicht so viel Dopamin aus und sind daher weniger attraktiv. Natürlich spielt die Nahrungsmittelindustrie bei der Herstellung von Süßigkeiten oder Snacks hier eine große Rolle, denn sie entwickelt neue Produkte, die diese Glückshormonausschüttung, oder bessergesagt Erlebnishormonausschüttung, immer wieder toppen soll. Denn Dopamin ist das Erlebnishormon, Serotonin ja das Glückshormon. Ein Suchtstoff kann auch schnell einen anderen ersetzen. Wer es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, der greift dann verstärkt zu Süßem oderumgekehrt. Auch Alkohol kann hier eine Ersatzdroge werden. Im Grunde sind wir alle zu einem gewissen Grad dopaminsüchtig, manche aber eben mehr und manche weniger je nach persönlicher Vergangenheit und je nach genetischer Vorbelastung. Die zwei Genvarianten COMT und DRD2 können hierüber Aussagen treffen. Wer die Genvariante COMT mit den Allelen A besitzt, bei dem wird Dopamin in den Nervenenden teilweise deaktiviert, so dass höhere Dopamindosen für Zufriedenheit nötig sind. Auch die Genvariante DRD2 mit dem Allele T weist eine geringere Rezeptordichte für Dopamin auf. Hier führt also dieselbe Dopaminausschüttung zu weniger Befriedigung als bei anderen Leuten. Mit Keto oder Carnivore berichten viele Leute darüber, dass sie erstmals eine Befreiung von den Esszwängen erleben. Das liegt zum einen daran, dass die Dopaminrezeptoren wieder sensibler werden, wenn sie mit weniger Dopamin bombardiert werden. Zum anderen liefert aber auch der höhere Eiweißgehalt der Nahrung mehr Ausgangsstoffe für die Produktion von Hormonen wie Endorphin, Serotonin und Dopamin. Und gerade bei Carnivore steht mit dem hohen Eisengehalt ein wichtiger Baustein für die Synthese dieser Botenstoffe in Unmengen zur Verfügung. Der Grundspiegel an Zufriedenheitshormonen steigt mit diesen Ernährungsweisen also stark an, so dass das Bedürfnis nach kurzweiligen Ausschüttungen sinkt. Für weitere Infos empfehle ich auch die Bücher von Robert Lustig: „Die bittere Wahrheit über Zucker“ und „Brainwashed: Wie die Lebensmittelindustrie unser Glücksempfinden verändert“. Zu guten Strategien, um seine Dopaminrezeptoren mit etwas nicht Essbarem auszutricksen habe ich im Januar einen Artikel mit dem Titel „Tipps zum Einhalten der Vorsätze“ geschrieben. Zum Problem der Dopaminausschüttung bei sozialen Medien gibt es inzwischen auch viele Vorschläge, wie man durch Dopaminfasten wieder sensiblere Rezeptoren erhalten kann.

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