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Gøtzsche

 

Stellt euch vor, ihr geht nächstes Mal zum TÜV ohne euer Auto. Es genügt, wenn ihr dem TÜV eine Checkliste vorlegt, die ihr selber abgehakt habt. Das TÜV-Siegel wird gedruckt…

 

Kaum vorzustellen, aber so beschreibt Peter C. Gøtzsche die Zusammenarbeit zwischen den Regulationsbehörden FDA in den USA bzw. ESA in Europa und den Pharmafirmen. Und wehe es klagt jemand gegen die Zulassungen! Dazu besitzen beide Institutionen Immunität. Nur schwere Betrugsfälle dürfen angezeigt werden. Wie halbherzig die Zulassungen sind, wird aber klar, wenn man sieht, dass 51 % der Beipackzettel nach der Vermarktung der Medikamente geändert werden müssen. In einer Umfrage hätten auch 71 % der FDA Mitarbeiter zugestimmt, dass die von der FDA erlaubten Pharmaka nicht sicher seien.

 

Die gesamte Entwicklung von Medikamenten ist in der Hand der Pharmakonzerne. Selbst die Dokumente, die währenddessen geschrieben werden, dürfen gar nicht von Wissenschaftlern eingesehen werden. Sie bleiben in den Konzernen unter Verschluss.

 

Eine Vorschrift lautet, dass jedes neue auf den Markt kommende Medikament durch zwei placebo-kontrollierte Studie getestet worden sein muss. Was sich auf den ersten Blick toll anhört, ist aber nicht so prima. Meist können die Placebos von den Ärzten und Patienten unterschieden werden. Und schon ist die Objektivität bei der Wirkungsweise dahin. Es entstehen subjektive Berichte. Was dagegen wichtiger wäre, so meint Gøtzsche, wäre ein Vergleich mit älteren günstigeren Medikamenten gegen dasselbe Symptom. Das ist aber nicht erforderlich. Es wird dann trotzdem behauptet, dass das neue Medikament besser als das alte sei. Medikamente werden meist an jungen und nicht an den betroffenen älteren Menschen getestet. Sie werden auch immer einzeln getestet. Die Effekte, die bei Polypharmazie auftreten, bleiben unerkannt.

 

Alle Medikamente verursachen Schäden in unserem Körper, sonst wären sie ja ineffektiv und wirkungslos. Man muss also immer abwägen, ob der Nutzen oder der Schaden bei der betreffenden Erkrankung größer ist. Am größten seien diese Schäden bei Psychopharmaka und auch bei Statinen, so Gøtzsche. Hier werden auch Nebenwirkungen in großer Form unter den Teppich gekehrt.

 

Von allen wirtschaftlichen Branchen besitzt die Pharmaindustrie die größten Gewinnmargen. Und das, obwohl sie Strafzahlungen wegen falscher Etikettierung oder Schadensersatzansprüchen bereits in ihre Kalkulationen mit einbeziehen. In den Ausgaben der Pharmafirmen ist die Entwicklung und das Testen von Medikamenten nur ein kleiner Posten.

 

Medizinische Zeitschriften sind auf die Werbegelder von Pharmafirmen angewiesen. Kein Wunder, dass sie vielfach zum Gefallen der Pharmakonzerne berichten. Eine heimliche Form der Unterstützung wird durch Extraauflagen getätigt. Die Pharmafirma kauft der Zeitschrift große Mengen an Exemplaren ab und verschenkt sie weiter an Ärzte, Apotheken und Institutionen.

 

Was ich jetzt hier aufgezählt habe, ist nur ein kleiner Einblick in dieses Buch. Peter Gøtzsche hat wirklich akribisch nur mit Referenzen gearbeitet! Mir kommt dieses Buch sehr seriös vor. Und gerade deshalb war ich so schockiert über die ganzen Inhalte. Also nur zum Weiterlesen zu empfehlen!!