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Zuckersüße Kindheit

 

Die ersten Jahre bin ich in den USA aufgewachsen und habe eine große Liebe zu sehr süßem Gebäck entwickelt. Mit sechs Jahren in Deutschland hielt ich den ersten Apfelkuchen für ein salziges Gebäck. Um meinen Süßhunger also weiterhin zu stillen, habe ich mein gesamtes Taschengeld unmittelbar für Süßigkeiten ausgegeben. Während meine Schwestern dieses Geld sparen konnten, habe ich alles zum Kramerladen getragen und bin mit sauren Gummibärchen oder Schokolade heimgekommen. An Weihnachten gab es kein Jahr, an dem ich den Adventskalender nicht vor dem 24. Dezember komplett geleert hatte. In meinem Süßrausch habe ich außerdem auch noch die Vorräte meiner Schwestern beklaut. Sie hatten nie dieses Verlangen nach Süßem. Ich war aufgrund meiner hyperaktiven Art sehr viel in Bewegung und konnte diese Kalorien größtenteils abarbeiten. Meine Beine waren schlank und drahtig. Einen Bauch hatte ich dagegen immer, was mich auch störte, in der Pubertät dann zunehmend. Meine Familie wunderte sich darüber, dass ich bei Kaffee und Kuchen immer mehr als ein Kuchenstück aß. Wenn ich etwas Süßes oder Kohlenhydratreiches bekam, war mein Essdrang selten zu halten. Ich aß, bis mein Bauch prallvoll war. 20 Weihnachtsplätzchen auf einmal oder einen Liter Mövenpick Schokoladeneis waren kein Problem für mich. Immer hieß es in der Familie, dass ich mich doch einfach zusammenreißen sollte. Immer habe ich auch sehr viel Sport getrieben, um meine Zuckerschübe wieder abzubauen. Von zuhause wusste ich nur, dass ich auf fettarm achten sollte. Ich schämte mich für meine Art und meine geringe Disziplin. Meine Leiden, die ich nun daraus ableite: Dyspraxie, schweres Stottern, Konzentrationsprobleme, leichtes Erröten, Leselegasthenie, Verletzungsanfälligkeit, Muskelzuckungen und Wadenkrämpfe.